Spielsucht

Das Glücksspiel ist eine oftmals in geselliger Runde ausgeübte Aktivität, an der Millionen von Menschen Spaß haben. Da die meisten Menschen vor allem wegen dem Spaß am Spiel mitmischen, setzen sie lediglich kleinere Beträge und spielen eher sporadisch. Glücksspiel ist in diesem Kontext nicht mehr, als ein beliebtes Hobby. Doch dieses Hobby kann leider auch zu Problemen führen, allen voran der Spielsucht. Um Spieler vor der Sucht zu schützen, ist es wichtig, dass es auch im Internet leicht zugängliche Informationen zum Thema Spielsucht gibt, mit denen Spieler ihr eigenes Suchtpotential erfassen können und mögliche Schritte dagegen einleiten können.

Wir werden Ihnen deshalb in diesem Ratgeber helfen, das Problem genau zu verstehen, die verschiedenen Formen der Spielsucht kennen zu lernen, Anzeichen von Spielsucht bei sich selbst zu identifizieren und Schritte aus der Sucht zu finden. Außerdem werden wir Ihnen Kontakte zu Organisationen bereitstellen, die sich für die Bekämpfung von Spielsucht einsetzen.

Was ist Spielsucht?

Spielsucht gehört zu den Impulskontrollstörungen. Ganz ähnlich anderer Impulskontrollstörungen wie Kaufsucht oder Esssucht führt die Spielsucht dazu, dass natürliche Impulse unterdrückt werden, die bei anderen Personen zur Beendigung der Aktivitäten führen. So kann es vorkommen, dass Personen mit Impulskontrollstörungen sich selbst oder dem Umfeld schaden.

Wenn man über die Spielsucht spricht, muss man verschiedene Facetten und Ausprägungen identifizieren. Nicht jeder, der unter Spielsucht leidet, hat deshalb dieselben Symptome oder erfährt eine vergleichbare Intensität dieser Symptome.

Hier sind einige der verbreitetsten Formen der Spielsucht:

  • Zwanghaftes Glücksspiel: Dies ist wohl das klassische Beispiel für Spielsucht. Eine Person die unter zwanghaftem Glücksspiel leidet, kann seinem Wunsch, zu spielen, nicht widerstehen. Dieser Art von Spieler wird immer weiterspielen, ganz egal, ob sie gewinnt, oder verliert. Gewinne werden zu einem Anreiz, noch mehr zu gewinnen und Verluste führen dazu, diese durch Gewinne wieder „hereinzuholen“. So spielt ein solcher Spieler oft auch mit Geld, das er nicht verlieren kann. In extremen Fällen nehmen dieser Spieler sogar Schulden auf, um weiterspielen zu können. Man nennt diese Form der Spielsucht auch pathologisches Spielen.
  • Glücksspielexzess: Diese Art von Spielsucht ist dem zwanghaften Glücksspiel sehr ähnlich, tritt aber nur schubweise auf. Ein Spieler, der sich dem Glücksspielexzess hingibt, spielt unregelmäßig und kann sogar wochen- oder monatelang nicht spielen, ehe er wieder zu spielen beginnt. Hier kennt dieser Spieler keine Limits mehr und spielt oft stundenlang, meistens ohne feste Budgetplanung.
  • Spielproblem: Wenn ein Spieler nicht das Stadium des zwanghaften Glücksspiels erreicht hat, aber seine Spielgewohnheiten negative Auswirkungen auf sein Leben außerhalb des Glücksspiels haben, hat er ein Spielproblem. Diese kann jedoch noch kontrolliert werden, wenn es frühzeitig erkannt wird. Anzeichen für ein Spielproblem sind das Lügen über Gewinne und Verluste und dem „Hinterherrennen“ von Verlusten.

Wie häufig kommt Spielsucht vor?

Um die Ausmaße des Problems einschätzen zu können, ist es wichtig, aussagekräftige Statistiken zu finden. Doch genau das ist schwierig, da solche Statistiken nur auf freiwilliger Basis erhoben werden können. Von Spielsucht betroffene Personen müssen ihre Spielsucht demnach selbst identifiziert haben und ehrlich genug sein, davon zu berichten. Allerdings wurden in der jüngeren Vergangenheit viele Versuche unternommen, diese Daten zu erfassen. Interessanterweise stimmen die Ergebnisse dieser Untersuchungen meist relativ genau überein.

Die meisten Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die relative Anzahl der Spielsüchtigen bei ca. 2-3% liegt, wobei ca. 1% unter die Kategorie „zwanghaftes Glücksspiel“ fallen. Selbstverständlich sind diese Zahlen stark von der Verbreitung von Glücksspiel in der landesspezifischen Kultur abhängig.

Aktuelle Umfragen aus dem Jahre 2013 ergaben, dass in Deutschland ca. 70% der Bevölkerung schon mindestens einmal gespielt haben und davon 0,5% bis 1% ein Spielproblem haben. Demnach scheint in Deutschland die Spielsucht zwar ebenfalls relativ ausgeprägt zu sein, liegt aber deutlich unter den Zahlen von Glücksspielhochburgen wie Nevada, in denen ca. 4% der Bevölkerung pathologische Spieler sind. Tatsächlich erhöht sich die Anzahl derjenigen ständig, die Erfahrungen mit Glücksspiel gemacht haben. Das liegt vor allem auch an der immer größeren Verbreitung von Glücksspielen im Internet.

Es ist schwierig zu sagen, wie viele von den Betroffenen sich in Behandlung begeben. Es kann davon ausgegangen werden, dass ein Großteil der Betroffenen keine Hilfe aufsucht, oder über ein eventuelles Spielproblem redet. Fakt ist jedoch, dass es einige Spieler schaffen, der Sucht zu entkommen, ohne sich in Behandlung zu begeben oder Hilfe aufzusuchen. Einige davon leiden jedoch über mehrere Jahre an Spielsucht, ehe sie einen Ausweg finden.

Was sind die Ursachen für Spielsucht?

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass Spielsucht von der Unfähigkeit eines Spielers hervorgerufen wird, sein Verhalten zu kontrollieren. Wo genau die Ursache dieser Unfähigkeit zu finden ist, das unterscheidet sich von Spieler zu Spieler.

Der wahrscheinlich entscheidende Grund für das Entwickeln einer Spielsucht ist ein biologischer. So ist Spielsucht mit anderen Suchterscheinungen zu vergleichen, in denen das Gehirn neurologische Signale aussendet. Diese Signale sind vergleichbar mit beispielsweise der Rauschgiftsucht, bei der nach Einnahme der Droge Botenstoffe ausgesendet werden (sogenannte Neurotransmitter). Bleiben die dadurch entstehenden Gefühle für einen gewissen Zeitraum aus, bekommt die betroffene Person Entzugserscheinungen, die zur erneuten Einnahme der Droge führen.

Es gibt jedoch noch weitere Faktoren, die in die Entwicklung einer Spielsucht hereinspielen. So kann die Einstellung der Spielerin gegenüber dem Glücksspiel einen entscheidenden Einfluss haben. Soll heißen, wer mit einer realistischen Einstellung an das Thema herangeht und vor allem zum Spaß spielt, der macht sich gegenüber den Suchterscheinungen weniger verwundbar. Wer aus finanziellen Gründen spielt, der gelangt schnell in eine Situation, die als Nährboden für Spielsucht dient.

Das beste Beispiel ist der Spielerfehlschluss. Hierbei handelt es sich um einen weit verbreiteten, logischen Fehler. Der Spieler denkt, dass vergangene Ereignisse einen Einfluss auf kommende Ereignisse haben. Beim Glücksspiel ist jedoch jede Runde unabhängig von der nächsten oder vorherigen. Selbst wenn beispielsweise beim Roulette in den letzten zehn Runden die Kugel immer auf ungeraden Zahlen landete, bedeutet das nicht, dass in dieser Runde eine gerade Zahl wahrscheinlicher ist. Viele Spieler versuchen jedoch, auf Ereignisse zu setzen, denen sie eine höhere Wahrscheinlichkeit zuschreiben, um vergangene Verluste wieder aufholen zu können. Oft erhöhen sie dabei die Einsätze, wie beispielsweise durch die Martingale Strategie für Roulette gefordert. Es ist dann für diese Spieler oft schwer, die Reißleine zu ziehen und den Verlust zu akzeptieren.

Man könnte meinen, dass auch Außenfaktoren einen Einfluss auf die Entwicklung der Spielsucht haben. Doch wie in der Glücksspielliteratur häufig dargestellt wird, ist dies nicht der Fall. Vielmehr können Außenfaktoren wie Stress lediglich bei ohnehin schon gefährdeten Spielern zu einem verstärkten Suchtverhalten führen. Sie sind jedoch nicht der Grund für die Spielsucht. Während also die hohe Verfügbarkeit von Glücksspielautomaten oder Casinos mehr Menschen einfachen Zugang zum Glücksspiel verleihen, ist es falsch, zu behaupten, dass dies ein direkter Grund für Spielsucht wäre. Oftmals finden diejenigen, die unter Spielsucht leiden, auch dort einen Zugang zu Glücksspielen, wo es verboten ist. Jedoch darf in dieser Diskussion nicht unerwähnt bleiben, dass hochgeschwindigkeitsspiele wie Spielautomaten eher zur Spielproblemen beitragen, also langsame Spiele, wie beispielsweise Lotterien. Der Erklärung ist einfach: Bei einem Spielautomaten kann man zahllose Runden hintereinander spielen, die jeweils lediglich ein paar Sekunden dauern, während man bei Lotterien die Ziehungen abwarten muss.

Es gibt zudem einige Risikofaktoren, die einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein gefährdeter Spieler eine Spielsucht entwickelt. Diejenigen, die bereits süchtig nach Alkohol oder anderen Drogen sind, zeigten in Studien immer wieder eine höhere Empfänglichkeit gegenüber der Spielsucht. Verschiedene psychologische Störungen wurden derweil als Risikofaktoren für Spielprobleme identifiziert, wie Schizophrenie und antisoziale Persönlichkeitsstörung.

So können Sie Spielsucht erkennen

Man könnte glauben, die Symptome eines Spielproblems sind einfach erkennbar. Doch das ist nicht der Fall. Gerade, wenn man selbst betroffen ist, kann man schnell die auffälligsten Symptome übersehen. Die Angewohnheit, auftretende Probleme zu rationalisieren, macht präventive Maßnahmen sehr schwierig. Am ehesten können problematische Spielangewohnheiten noch vom Umfeld, der Familie und Freunden wahrgenommen werden.

Spielsucht ist ein Problem, dass nur schwierig greifbar ist. Deshalb variieren Definitionen und die Symptome je nach Quelle. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erkennt folgende Anzeichen, die auf eine Spielsucht hinweisen:

  • Lügen und Ausreden mit dem Ziel, den verspielten Betrag zu verheimlichen
  • Gefühlsmäßige Abwesenheit. Betroffene sind oft nicht mehr emotional zu erreichen, da sie in Gedanken beim Spielen oder vergangenen Partien sind
  • Auftretende Geldprobleme, die so weit gehen können, die existenzielle Lebensgrundlage in Gefahr zu bringen
  • Während gemeinschaftlichen Unternehmungen nutzt der Betroffene jede Gelegenheit zum Spielen
  • Die Betroffene hält sich von gesellschaftlichen Unternehmungen fern, da sie diese Zeit zum Spielen aufwenden möchte

Man muss nicht alle diese Symptome zeigen, um als spielsüchtig zu gelten. Oft sind die Übergänge von einem Spielproblem bis hin zum pathologischen Spielen fließend, sodass sich die Anzeichen mit der Zeit häufen, oder unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Wer jedoch mehrere dieser Kriterien erfüllt, der hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ernsthaftes Spielproblem und sollte Gegenmaßnahmen ergreifen.

Falls Sie selbst denken, möglicherweise suchtgefährdet, oder bereits süchtig zu sein, sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Überlegen Sie sich Gewinnstrategien, um Ihre Gewinnchancen zu erhöhen?
  • Spielen täglich oder sogar mehrere Stunden am Tag?
  • Haben Sie jemals versucht, weniger zu spielen und haben es nicht geschafft?
  • Haben Ihre Spielangewohnheiten Ihre Freundschaften geschädigt?
  • Versuchen Sie das Gefühl zu reproduzieren, das Sie hatten, als Sie mit dem Spielen begannen?
  • Haben Sie Ihre Spielgewohnheiten schon einmal jemandem verschwiegen?
  • Erzählen Sie anderen, sie hätten gewonnen, wenn Sie verloren haben?

Falls Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, dann haben Sie zumindest ein Spielproblem. Um jedoch eine genaue Aussage zu treffen, sollten Sie sich unverzüglich an einen Experten wenden, oder eine Hilfsorganisation aufsuchen. Mehr Infos dazu finden Sie im letzten Abschnitt dieses Artikels.

Der Weg zur Besserung

Spielsucht ist ein individuelles Problem, das auch so behandelt werden sollte. Es gibt daher kaum eine Standardtherapie, für die jeder Spielsüchtige geeignet ist. Im Allgemeinen gibt es jedoch drei Stellen, bei denen der Spielsüchtige Hilfe erhalten kann.

1. Beratungsstellen:

Hier können sich sowohl Suchtgefährdete, Süchtige und Angehörige von Spielsüchtigen melden. Die Leistungen umfassen Informationen zur Aufklärung bezüglich des Glücksspiels im Allgemeinen und natürlich dem Suchtpotential. Auch eine persönliche Beratung mit möglicher, anschließender ambulanter Therapie kann zum Leistungsumfang gehören. Diese Therapien sind oft Gruppentherapien, die in regelmäßigen Zeiträumen stattfinden. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine solche Behandlung.

Aber auch eine Vermittlung zur stationären Behandlung ist nicht ausgeschlossen, muss aber von Fall zu Fall entschieden werden, da der Betroffene aus seinem Sozial- und Berufsleben gerissen wird. Folgeleistungen sind beispielsweise die Vermittlung an Selbsthilfegruppen, die Beratung von Angehörigen und Finanz- sowie Steuertipps.

2. Kliniken

In schweren Fällen kann eine stationäre Behandlung in Kliniken Sinn ergeben. Diese werden oft von Beratungsstellen vormittelt. Während die Dauer der Therapie vom Krankheitsbild abhängig ist, kann sie bis zu 12 Wochen dauern und ist daher durchaus einschneidend. Der Betroffene hat daher oft Anspruch auf eine Art Krankengeld. Die Rückfallprophylaxe und Informationen zu finanziellen Implikationen des Glücksspiels, sowie der steuerlichen Behandlung von Gewinnen oder Verlusten, die aus dem Glücksspiel resultieren, sind Teil dieser Maßnahme.

3. Selbsthilfegruppen

In vielen Städten und Orten in Deutschland gibt es Selbsthilfegruppen. Gerade für Spieler, die gerade ihr Spielproblem erkannt haben und Spieler, die erfolgreich eine Therapie hinter sich gebracht haben, kann der Austausch mit anderen Betroffenen sehr hilfreich sein. Die Teilnahme an solchen Therapien ist immer kostenlos und unverbindlich, da es sich bei den Veranstaltern um ehrenamtliche Arbeiter handelt. Wer durch die Hilfe einer Selbsthilfegruppe sein Spielverhalten in den Griff bekommt, hilft nicht selten anderen Menschen weiter, deren Rehabilitation noch nicht so weit fortgeschritten ist.

Ressourcen für Spielsüchtige

Falls Sie den Verdacht haben, dass ein Bekannter spielsüchtig ist, oder Sie vielleicht selbst Suchterscheinungen zeigen, gibt es für Sie viele Adressen, an die Sie sich wenden können.

BZgA - Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet eine erste Anlaufstelle. Sie erhalten sowohl über die Webseite www.spielen-mit-verantwortung.de, als auch per Telefon (0800 - 1 37 27 00) kostenlos und anonym Hilfe.

Cafe Beispiellos – Caritasverband für das Erzbistum Berlin: Beratung und Behandlung von Glücksspielsüchtigen und ihren Angehörigen. https://www.cafe-beispiellos.de/ oder telefonisch unter 030 666 33-9 55 zu erreichen.

Spielsucht-Therapie.de – Auf https://www.spielsucht-therapie.de/selbsthilfegruppen/ finden Sie eine Übersicht über Selbsthilfegruppen in Deutschland.

Glücksspielsucht.de – Diese Seite sollte eine der erste Anlaufstellen für Glücksspielsüchtige, oder Personen aus dem Umfeld Glücksspielsüchtiger sein. Auf http://www.gluecksspielsucht.de/ finden Sie das Angebot vom Fachverband Glücksspielsucht e.V., das unter anderem eine Online-Beratung, Adressen von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, sowie ein Forum und eine Telefonhotline anbietet.